Angenehme Atmosphäre

Die Öfen sorgen für die angenehme Atmosphäre

ABZ-PLUS / Donnerstag, 5. Januar 2006

Bäckermeister Olaf Thonke, Rathenow, setzt auf energiesparende Lüftungstechnik durch Luftmischung / Abwärme wird zum Heizen genutzt

thonke

Eine freundliche Arbeitsatmosphäre herrscht in der Bäckerei Thonke.

Die Atmos-Unternehmensgruppe ist international tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit der Lüftung und Klimatisierung größerer Produktionsgebäude. Aber auch für immer mehr Handwerksbäckereien wird die Atmos-Lösung interessant, wenn sie größere Produktionsräume brauchen. Für sie plant und verwirklicht die Atmos Anlagenbau GmbH in Iserlohn die komplette Raumlüftung und –klimatisierung. Eine Bäckerei, die mit Atmos-Technik arbeitet, ist die Rathenower Bäckerei Thonke. Die Lüftung gehörte gleich mit zum Projekt des Neubaus, der von Dietrich Fertigbau erstellt und 1994 realisiert wurde. Nach den damaligen guten Erfahrungen würde Olaf Thonke wieder mit Dietrich Fertigbau, und zwar als Generalunternehmer, bauen.

Bäckermeister Olaf Thonke, der die Chancen der Wende tatkräftig genutzt hat und heute einen modernen Betrieb mit 160 Beschäftigten, 28 Filialen und sieben Millionen Euro Jahresumsatz führt, zeigt sich sehr zufrieden mit dem Raumklima und der Luftqualität in den Produktionsräumen, die mittlerweile 600 m² umfassen. Zwei Mal hat er bereits den Neubau erweitern müssen, erweitert wurde zugleich die Atmos-Lüftungstechnik.

 Ofenhitze wegtransportieren

Als seine Maxime bezeichnet Lüftungs- und Klimatisierungsspezialist Atmos die Wirtschaftlichkeit seiner auf den Kunden zugeschnittenen Anlagen. Die Nutzung der Tageslichtquellen spielt darin eine ebenso große Rolle wie der energiefreie Abzug von belasteter, erhitzter Luft. „Die warme Luft steigt bekanntlich von allein nach oben, entweicht über die Dachfenster nach draußen“, erklärt Bäckermeister Thonke das einfache Prinzip. Frischluft gelangt zugfrei über Gewebeschläuche in die Produktionsräume. Dabei besteht die Frischluft zu einem Teil aus Außenluft und zum anderen Teil aus gefilterter, warmer Raumluft, die gemischt wird. Während der kühlen Jahreszeit ist der Anteil an „Recycling-Luft“ höher als während der Sommermonate, wenn die Abwärme der Öfen das Raumklima nicht noch zusätzlich aufheizen soll. Thonke hat sich für das Atmos-Lüftungssystem entschieden, weil es ihm zunächst eine günstige Alternative zum Einbau einer Heizung in der Produktion bot.

„Meistens geht es aber um die Ableitung der Hitze“, lautet Thonkes Erfahrung heute. Die Bäckerei Thonke produziert inzwischen das Mehrfache wie vor zehn Jahren. Sie ist mit Thermoölöfen ausgestattet, die stolze 130 m² Backfläche bieten. Bis zu 14 Stunden täglich wird gebacken. Zum einen sind die Öfen gute Wärmespeicher und zum anderen ist der Neubau gut isoliert, so dass auch zu Produktionsbeginn um 22 Uhr niemand frieren muss. Nur in der später angebauten Konditorei klagten die Mitarbeiterinnen schon über die Kühle im Raum. Hier wurde nachträglich ein Heizkörper installiert. Bei hartem Frost kann die Heizanlage des Hauses zum Produktionsstart für erste Wärme sorgen, ehe die Öfen ihre Hitze abgeben.

Abwärme entweicht übers Dach

Das Gros der aufgeheizten Luft verlässt die Produktionsräume selbständig über die geöffneten Dachfenster der Lichtkuppel. Verstellbare Lamellen verhindern dabei, dass es in die Bäckerei hereinregnen kann. Und Gazeeinsätze halten Insekten davon ab, in die Bäckerei einzudringen. Eine Backstube von relativ großer Höhe und mit Dachöffnung gehört zum Atmos-Anlagen-Konzept. Interessant wird es laut Atmos erst für Unternehmen von über 100 m² Produktionsfläche. Hier können Atmos-Anlagen die Raumtemperatur auf angenehm niedrigem Wert halten, Staub und überschüssige Feuchtigkeit entsorgen und für ein ausgewogenes Verhältnis von Lufterneuerung und Raumspülung sorgen. Auch Anlagen zur Wärmerückgewinnung realisiert Atmos, doch für Thonke ist dieses Thema nur von geringem Interesse.

Zur Mehlstaub-Reduzierung gibt es beim Atmos-Konzept außer der Raumluft-Spülung keine speziellen Absaug-Anlagen mit einem dazu gehörenden Röhrensystem, was die Investitionskosten angenehm gering hält. Und geringer fallen auch die Folgekosten aus. „Welcher Kollege hat denn schon einmal durchgerechnet, wie viel Strom ihn seine Absauganlage jährlich kostet?“, fragt sich Thonke. „Das ist bestimmt nicht wenig.“ Er hat jedenfalls eine billigere Lösung. Denn die Kosten für die regelmäßige Reinigung der Rohrleitungen müsse man ja auch beachten. Seine textile Schlauchlüftung unter der Decke arbeitet zum Teil bereits seit über zehn Jahren. Man erkennt an einer leichten Dunkelfärbung zwar die ältesten Lüftungsschläuche, aber ihre Funktion wird davon in keiner Weise eingeschränkt. Und außerdem: Das umfangreiche Rohrleitungssystem beansprucht seiner Meinung nach zu viel kostbaren Platz.

Mehlstaub vermeiden

Mehlstaub wird bei Thonke nach Möglichkeit vermieden. Brot wird mit einer mehlstaubfrei arbeitenden Anlage gewirkt. Eine zeitlang wurde auch mit Staub-Minus-Spezialwirkmehl gearbeitet. Nur der Mehlaustrag der Silostation ist mit einer Absauganlage versehen. Sobald Mehl aus dem Silo angefordert wird, senkt sich eine dichte Abdeckhaube auf den Knetkessel, und der Mehlstaub wird zur Filterstation der Siloanlage gesaugt. BGN-Vertreter seien bereits zwei Mal in der Bäckerei gewesen und hätten dem Betrieb ein „sehr gutes Raumklima“ bescheinigt, wie Olaf Thonke bekräftigt. Exakte Messungen des Mehlstaubanteiles in der Luft wurden allerdings noch nicht durchgeführt, weil Allergieprobleme noch nie aufgetreten sind.

Außerdem vertritt der junge Betriebschef den sicher umstrittenen, aber nicht ganz von der Hand zu weisenden Standpunkt: „Wer wegen einer Allergie für einen Beruf nicht geeignet ist, sollte ihn gar nicht erst ergreifen. Wir hatten einmal einen Lehrling, bei dem eine Gräserpollenallergie festgestellt wurde. Er konnte sich rechtzeitig auf einen Berufswechsel orientieren. Lüftungstechnik soll doch nicht dazu dienen, Allergikern die Arbeit in der Backstube zu ermöglichen. Man muss doch abwägen zwischen dem, was technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Wunschklima per Fernsteuerung

Was die Steuerung der Atmos-Lüftungsanlagen betrifft, so kennt Olaf Thonke zwei Generationen: die Technik, die noch vor zehn Jahren zum Einsatz kam – die gewünschten Werte müssen hier von Hand eingestellt werden – und die neueste Technik, die über Modem mit der Zentrale in Iserlohn verbunden ist. Sie wird von den Atmos-Spezialisten rund um die Uhr überwacht und wenn notwendig oder gewünscht korrigiert. Am neuen Schaltschrank, der mit dem Anbau an die Bäckerei vor drei Jahren installiert wurde, hat noch keiner aus der Bäckerei etwas verstellt. „Da wir uns auf die Atmos-Leute verlassen können, habe ich mich noch gar nicht in die komplizierte Sache hineingekniet“, gesteht der Bäckerei-Inhaber.

Die Filtertaschen für die Entstaubung der Umluft werden einmal im Jahr gewechselt, berichtet Thonke. Die Gazeeinsätze vor den Dachfenstern müssen inzwischen allerdings monatlich gereinigt werden, weil sich wegen der gestiegenen Produktion doch erheblich mehr Mehlstaub an ihnen absetzt als früher. Anfangs genügte noch ein Reinigungsintervall von sechs Monaten.

Schimmelursachen suchen

Und noch eine Erfahrung von Olaf Thonke gehört zum Thema Lüftungstechnik: Atmos führt das Wort Schimmelvermeidung in seinen Prospekten an. Vor allem ältere Bäckereien haben mit Stockflecken an den Wänden zu kämpfen. Einmal im Putz, kommt der Schimmelpilz immer wieder an die Oberfläche. Auch Bäckerei-Neubauten sind davor nicht gefeit, wie der Rathenower Bäcker erfahren musste. Bei ihm zeigten sich die dunklen Flecke an einem Träger der Außenwand der Expedition. Hier war der Bau nicht isoliert worden, die Wand war kälter als ihre Umgebung. Die Folge: Feuchtigkeit kondensierte an dieser Stelle, führte zu einer feuchten Wand und Schimmelbildung. Die fehlende Isolierung ließ er bald ergänzen, das Problem war damit gelöst. Bei der Schimmelvermeidung kommt es offenbar nicht allein auf die richtige Belüftung an, sondern auch auf die gute Isolierung der Außenwände.

Nicht nur in technischer Hinsicht stimmt das Arbeitsklima in der Bäckerei, sondern auch in zwischenmenschlicher Hinsicht.

Dafür sprechen die regelmäßigen gemeinsamen Veranstaltungen außerhalb der täglichen Arbeit.

http://www.abzonline.de/praxis/die-oefen-sorgen-fuer-die-angenehme-atmosphaere,512201825.html